Bürgerwache Mengen
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Geschichte/Lieder

Die Stadt Mengen und ihre Bürgerwache

Mit der Stadterhebung im Jahre 1276 war jeder Bürger verpflichtet, die Stadt mit eigenen Waffen zu verteidigen

Das denkwürdigste Ereignis geschah im 30-jährigen Krieg : Die Schweden zogen Anfang Mai 1632 von Ulm donauaufwärts. Auch Mengen begab sich unter schwedischen Schutz, Mengen lieferte „..wöhr und waffen ..“ ab, erlangte gegen 500 fl. (Gulden) einen Schutzbrief. Als Mengen den Schutzbrief wieder abliefern und den Stadtschreiber ausliefern sollte, widersetzten sich die Bürger. Darauf rückten am 17. Mai gegen Mitternacht etwa 40 Schweden von Riedlingen her vor die Stadt. Statt den Schreiber auszuliefern, schoß die Wache auf dem Turm etliche Schweden von den Pferden. Am anderen Tag, den 18. Mai 1632 rückten die Schweden mit verstärkter Macht vor das Städtchen. „Im Vertrauen auf die allerseligste Muttergottes Maria unter dem Ölberg“ verweigerte die Stadt die Übergabe an die Schweden. Die Stadt blieb verschont, die Schweden zogen wieder ab.

Historisches Mengen

 

In Erinnerung an diese wunderbare Errettung wird alljährlich das Maifest gefeiert.

Mit dem Aufkommen der stehenden Heere nach dem 30-jährigen Krieg sanken die Bürgerwehren zur Bedeutungslosigkeit herab. Als die Räte die Bürgerwehr abschaffen wollte, widersetzte sich jedoch die Bürgerschaft. Der ganze Einsatz der Wehr bestand nur noch in der Parade an Festtagen und beim Empfang fürstlicher oder geistlicher Persönlichkeiten.

Nach über 500jähriger Zugehörigkeit zu Vorderösterreich kam Mengen im Jahre 1806 zu Württemberg.

Der neue Landesherr, König Friedrich I. von Württemberg, verbot den Waffenbesitz. Die Bürgerwache wurde offiziell aufgelöst. Sein Nachfolger, König Wilhelm I. ( 1816 – 1864 ), lockerte das Waffenbesitzverbot und die neue Landesverfassung ermöglichte wieder die Errichtung von Bürgerwehren.

Am 14. August 1822 wurde im Rat der Stadt ein Antrag mehrerer Bürger verhandelt, die eine Bürgerwehr errichten wollten. Ohne die erforderliche obrigkeitliche Erlaubnis einzuholen, wurde eine Bürgerwehr errichtet. Bereits am Königsfest (27. Sept. 1822, Geburtstag König von Wilhelm I. ) rückte die Bürgerwache mit Musik ( Janitscharen – oder Türkische Musik genannt ) aus und paradierte.

Das Oberamt befahl im Jahre 1825 die gesetzwidrig errichtete Wehr aufzuheben und die Gewehre einzuziehen.

Nach der Eingabe vom 9. Okt. 1825 erhält der Stadtrat die obrigkeitliche Erlaubnis zur Bildung einer Bürgerwehr. Darauf konstituierte sich das Bürgermilitär am 27. März 1826 wieder offiziell.

Die Dienstkleidung : Blauer Frack mit roten Aufschlägen, blaue Beinkleider, weiße Bärenmütze mit roten Schnüren. Ab 1832 waren es schwarze Fellmützen.

Bestimmung und Dienstverrichtung : Paradierung bei kirchlichen und anderen hohen Festen. Besetzung der Tore und Flüchtungsplätze bei entstehender Feuersbrunst in der Stadt, beziehungsweise auch bei Jahrmärkten.

Seit 1855 liegt die erste Bestätigung der Offiziere durch die Regierung vor. Die Statuten wurden 1855 revidiert und 1865 ergänzt. Von der Kreisregierung in Ulm wird 1865 die Einführung eines Verwaltungsrates bestätigt.

Die Uniform wurde dem württembergischen Linienmilitär angeglichen.

Der erste Bürgerwach-Jahrtag fand im Januar 1884 statt.

Nach dem 2. Weltkrieg sammelten sich die Reste der Bürgerwache und rückten ohne Waffen im Jahre 1948 zum Maifest und an Fronleichnam wieder aus.

Die Neuuniformierung wurde im Jahre 1952 mit der Aufstellung eines zweiten Zuges abgeschlossen.

Im Jahre 1978 schenkte die Stadt Mengen der Bürgerwache ein altes, fast baufälliges, aber denkmalgeschütztes Haus. Daraus entstand in mehreren Bauabschnitten ein schmuckes und gemütliches Vereinsheim mit Waffen- und Kleiderkammer sowie Proberaum für Spielmannszug und Bürgerwachchor.

 

Geschichte des Bürgerwachchors

Der Bürgerwachchor Mengen ist der einzige Chor in ganz Deutschland, welcher aus einer Bürgerwache hervorgeht und mit einer Bürgerwachuniform auftritt.
1989 hatte das damalige Kommando der Bürgerwache Mengen wenig Programmpunkte für die Abendveranstaltung des Bürgerwachjahrtages. Spontan ergriff Otto Bacher die Initative und suchte aus allen Zügen Sänger aus, um einen Auftritt am Jahrtag zu gestalten. Nach diesem Auftritt kam von den Stadtsoldaten der Wunsch, einen eigenen Chor zu gründen. Somit wurde der Grundstein für den heutigen Bürgerwachchor gelegt.
In der ersten Zeit herrschte reger Wechsel im Amt des Dirigenten: Josef Stempfle, Vorstand der Stadtkapelle Mengen, Albrecht Mohl,  Ersatzdirigent und Nachfolger von Josef Stempfle. Darauf folgte Winfried Spinnler. Nach dessen Tod übernahm dessen Tochter Sandra die Leitung des Chores.

Mit dem Dirigenten Winfried Spinnler hatte der Bürgerwachchor einige spektakuläre Auftritte in Südafrika, Südtirol, auf der Insel Baltrum und im Bundesministerium der Verteidigung auf der Bonne Hardthöhe. Die singenden Stadtsoldaten warben damit um den Erhalt des Bundeswehrstandortes Hohentengen-Mengen.

Wechsel in der Vorstandschaft:  Gerhard Leuze übernimmt das Amt des Tutors  ( Vorstandes ), Stellvertreter sind  Max Krezdorn und Horst Niedermüller.
Otto Bacher wird Ehrentutor.

Es folgen Auftritte beim Paulusfest der evangelischen Kirchengemeinde Mengen und bei der Fahnenweihe der neu gegründeten Bürgerwache Munderkingen.

Von Sandra Spinnler haben Hermann Brokamp und dessen Schwiegersohn Peter Frick-Brokamp den Chor übernommen und leiten diesen zur großen Zufriedenheit aller Sänger. Der Chor hat auch wieder einige neue Mitglieder hinzugewonnen.  Seine ersten Auftritte mit der aktuellen Leitung hatte der Chor in  Meersburg, zusammen mit dem Bodensee Akkordeon-Orchester Fiorini, dem 50. Geburtstag des Leutnants und Chormitgliedes Albert Heinzelmann wie auch beim Frühschoppen und Bunten Abend des Bürgerwachjahrtags 2009.

Lieder der Bürgerwache

Bei geselligen Zusammenkünften werden gerne die verschiedenen Lieder der Bürgerwache gesungen.