Bürgerwache Mengen
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Immer wieder wanderten vor dem Antreten am Bürgerwachheim bangende und sorgenvolle Blicke gen Himmel, ob es wohl wenigstens trocken bleibt an diesem Abend. Schließlich reichten ja schon die für diese Jahreszeit zu niedrigen Temperaturen, die auch die Männer und Frauen der Bürgerwache am Vorabend zum Maifest frösteln liessen. Aber Petrus hatte wohl ein Einsehen und so konnte alles nach Plan ablaufen.

Mit klingendem Spiel marschierte die Wehr zur Liebfrauenkirche, bildete vor dem Hauptportal Spalier und eskortierte so die einzelnen Wallfahrergruppen beim Einzug in das Gotteshaus. Die Stadtkapelle als Musikzug der Bürgerwache begrüßte parallel dazu die Pilger jeweils mit einem eigenen Choral.

In Folge einer langjährigen Tradition meldete der kommandierende Leutnant Albert Heinzelmann nach dem Wortgottesdienst die angetretene Kompanie, das Musikkorps spielte zu Ehren der „Ölbergmutter“ den Hymnus „Sancta Maria“ und beendete damit den kirchlichen Teil des Bürgerwach-Einsatzes vor dem eigentlichen Fest am Sonntag.

Eine weiterer Brauch schloß sich danach an; die Verabschiedung von Kameraden, die aus dem aktiven Dienst in den Ruhestand treten. Karl Beck, dienstältester Gardist im I.Zug, verlässt nach 48 Dienstjahren die Bürgerwache. Vor der angetretenen Front dankte ihm  Hauptmann Georg Bacher  für seine vorbildliche Pflichterfüllung unter insgesamt vier Kompaniechefs.  Im Namen des Kommandos ernannte Bacher den neuen Ruheständler zum Ehrenmitglied der Bürgerwache und aus den Händen von Oberleutnant Stefan König nahm Beck den Reservistenkrug entgegen. Zu den Klängen des Preußischen Präsentiermarsches schritt Karl Beck zusammen mit dem Hauptmann die Front ab und nahm auf würdige Weise Abschied von vielen Jahren Bürgerwachlebens in guter Kameradschaft.

Das abnehmende Tageslicht gab das Zeichen zum Aufbruch in Richtung Reiserspital. Die zwischenzeitlich aufmarschierte Jugendabteilung der Mengener Feuerwehr wurde mit Fackeln ausgestattet, damit nicht nur die Musiker ihre Noten lesen konnten, sondern der Zug durch die nächtliche Stadt eine zusätzliche feierliche Note bekam.

Den ungemütlichen Temperaturen trotzend, hatte sich eine ansehnliche Schar von Bürgerinnen und Bürgern eingefunden, um dem doch immer wieder imposanten Schauspiel des „Großen Zapfenstreichs“ beizuwohnen. Gut von der Feuerwehr mit Scheinwerfern ausgeleuchtet, war den Zuschauern ein Verfolgen der Zeremonie auch optisch möglich.

Mit der Meldung der angetretenen Formation durch Leutnant Heinzelmann an Bürgermeister Stefan Bubeck und dem Marschbefehl zum Beginn der Serenade eröffnete die Stadtkapelle unter Dirigent Erwin Welte mit „Des Großen Kurfürsten Reitermarsch“ die abendliche Feier vor der malerischen Kulisse. Tambourmajor Hans-Jürgen Lehleiter und seine Spielleute folgten mit dem „Locken zum Großen Zapfenstreich“, nach vorgegebenem Ablauf.  Die Bürgerwache verabschiedete sich vom Publikum mit „Preußen’s Gloria“ und widmete sich anschließend dem gemütlichen Beisammensein.

Artillerie und Spielmannszug gaben mit mehreren Schuß Salut von den Höhen des Missionsberges und mit klingendem Spiel durch die Straßen den Bürgerinnen und Bürgern kund von “Mengen’s großem Tag”, dem alljährlichen Maifest. Im Anschluß an den Festgottesdienst führte die Bürgerwache die Prozession durch die Straßen der Stadt an.

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